Das zeitgenössische Update des historischen „Salons“: Anna Luca Krassnigg lädt jeden Sonntag Persönlichkeiten aus Kunst, Literatur und Wissenschaft ein, brennende Fragen der Gegenwart im Licht des Spielzeitmottos zu diskutieren. Diesmal bereichern uns Daniela Strigl, Klaus Theweleit, Florian Scheuba, Lisz Hirn, Peter Strasser, Jonas Grethlein, Judith Kohlenberger, Barbara Tóth, Jérôme Junod und Christian Ultsch.
Die Form des Salons, die zweifellos etwas Theatrales hat, zielt auf ein doppeltes Ereignis: das Bühnenerlebnis als Zündfunke und den öffentlichen Salon als Ritual, das Erlebte weiterzuentwickeln und wirken zu lassen.
Mit ihren renommierten Gästen erforscht Theatermacherin Anna Luca Krassnigg Spielarten des Ungeheuerlichen und sucht Antworten auf das ewige Rätsel der Doppelnatur des Menschen: in antiken Mythen, in Österreich, in komplexen Kriegs- und Liebesverhältnissen, in den ungeheurlichen Ereignissen unserer Tage.
So 1. März 2026 | 11:30
So 8. März 2026 | 11:30
So 15. März 2026 | 11:30
So 22. März 2026 | 11:30
So 29. März 2026 | 11:30
Bahngasse 27, 2700 Wiener Neustadt
ca. 1,5 Stunden (keine Pause)
Normalpreis: € 10
U25-Ticket: € 2,50
Weitere Ermäßigungen siehe hier
„Nichts ungeheurer als der Mensch“ mit Peter Strasser (Philosoph) und Florian Scheuba (Kabarettist)
Am ersten Festivalsonntag – nach den Premieren von Qualtingers „Volksfest“ und Kleists „Penthesilea“ – besprechen wir die wunderlichen Abgründe des Menschen, sei es in moralischer, sozialer oder politischer Hinsicht. Welche Mechanismen und Strukturen fördern die fürchterlichen Möglichkeiten des Menschen und welche können ihn daran hindern, oder gar ihm dabei helfen, sein positives Potenzial zu entwickeln? Und welche Rolle spielt Humor im Angesicht des Ungeheuerlichen?
Wir suchen Antworten mit dem bekannten österreichischen Autor, Rechts- und Religionsphilosophen Peter Strasser und dem streitbaren Bühnenmagneten Florian Scheuba.
„Männerphantasien und zornige Frauen“ mit Daniela Strigl (Literaturwissenschaftlerin) und Klaus Theweleit (Kulturwissenschaftler)
In der Figur der Penthesilea, geschrieben von einem männlichen Autor, drückt sich ein Bündel an „Ungeheuerlichkeiten“ aus: weiblich, fremd, kriegerisch, widerspenstig, unangepasst und letztendlich zerstörerisch. Inwiefern werden die Qualitäten als besonders bedrohlich empfunden und welchen Platz können weiblicher Trotz und weiblicher Zorn in unserer Kultur für sich reklamieren?
Wir befragen den deutschen Kultautor Klaus Theweleit („Männerphantasien“) und die brillante österreichische Kulturwissenschaftlerin Daniela Strigl („Zum Trotz“).
„Österreich als Versuchsstation des Weltuntergangs“ mit Judith Kohlenberger (Kulturwissenschaftlerin und Migrationsforscherin) und Barbara Tóth (Journalistin und Historikerin)
Karl Kraus’ fast 100 Jahre alte Beschreibung unseres Landes scheint angesichts zeitgenössischer Entwicklungen (und Exportschlager wie Jan Marsalek, Karin Kneissl, Martin Sellner oder René Benko) seit Kraus und Qualtinger an Aktualität nicht abgenommen zu haben. Zwei vielgefragte und engagierte österreichische Expertinnen besprechen die jüngere Geschichte des Landes und die möglichen kulturellen Ursachen ungeheuerlicher Phänomene nach austriakischer Art.
„Wieder Krieg? Wider den Krieg!“ mit Lisz Hirn (Philosophin) und Christian Ultsch (Journalist)
Anhand des Kriegs- und Liebesstücks „Penthesilea“ und aufgrund der internationalen Lage wird Denkmustern des Kriegerischen aber auch der Menschheitssehnsucht nach Frieden nachgegangen. Von den trojanischen bis zu den heutigen Schlachtfeldern: Wie sehr sind wir von Mythen, Erzählungen und Bildern geprägt und wie können wir die Realität des Krieges und die reale Vernunft des Friedens am besten erfassen?
Die renommierte Philosophin und Autorin Lisz Hirn und der Leiter des Auslandsressorts der Tageszeitung Die Presse, Christian Ultsch, nähern sich dem vielleicht schwierigsten Thema unserer Zeit.
„Mein Leben mit Troja“ mit Jonas Grethlein (Altphilologe) und Jérôme Junod (Regisseur und Autor)
Der trojanische Krieg zeichnet das Urmuster des sinnlosen Krieges und der Fragilität des menschlichen Daseins. Kein Mythos stellt die Fragen: Was tust du, Mensch? Wozu Krieg? Wer sind unsere Götter? so anschaulich, so verstörend und doch so vertraut. Literatur- und Wissenschaftsstar Jonas Grethlein („Mein Jahr mit Achill“) und Regisseur Jérôme Junod („Penthesilea“) diskutieren mit uns über ihre künstlerischen und wissenschaftlichen Erlebnisse mit dem Phänomen Troja sowie die anhaltende, faszinierende Gültigkeit der Figuren und Geschichten.
Konzept und Moderation: Anna Luca Krassnigg
Wissenschaftliche Koordination: Jérôme Junod
Eine Produktion der Wortwiege, gefördert durch das Land Niederösterreich und die Stadt Wiener Neustadt.
Der preisgekrönte Philosoph Peter Strasser unterrichtet an der Universität Graz „Rechtsphilosophie“, „Ethik“ und „Religiöses Denken“. Zuletzt erschienen seine Bücher „Apokalypse und Advent. Warum wir da gewesen sein werden“, „Ewigkeitsdrang“ und „Über die vorletzten Dinge“. im Verlag Sonderzahl, Wien.
Florian Scheuba ist Autor, Kabarettist, Schauspieler und Kolumnist. Bekannt ist er u.a. durch seine Erfolge im österreichischen Kabarett, etwa mit der Gruppe „Die Hektiker“ oder TV-Satiren wie „Die4Da“ oder „Donnerstalk“. Bemerkenswert sind seine investigativen Satire-Soloprogramme.
Daniela Strigl ist Literaturwissenschaftlerin, Essayistin, Kritikerin und lehrt seit 2007 am Institut für Germanistik der Universität Wien. Sie gehörte u.a. der Jury des Ingeborg Bachmann Preises an. Zuletzt erschien ihr Buch „Zum Trotz: Erkundung einer zwiespältigen Eigenschaft” (2025).
Klaus Theweleit ist Kulturwissenschaftler und Schriftsteller und unterrichtet an Universitäten in Deutschland, den USA, der Schweiz und Österreich. Sein Buch „Männerphantasien” (1977/78) ist eine Untersuchung des faschistischen Bewusstseins und der soldatischen Prägung des Ich.
Judith Kohlenberger ist Soziologin und Kulturwissenschaftlerin, leitet das Forschungsinstitut für Migrations- und Fluchtforschung und -management an der WU Wien und ist Mitglied des Integrationsrats der Stadt Wien. Nach „Das Fluchtparadox” (2022) erschien zuletzt ihr Buch „Migrationspanik” (2025).
Barbara Tóth ist Journalistin, Historikerin und leitende Redakteurin der Wiener Stadtzeitung Falter. Ihre Spezialgebiete sind österreichische Zeitgeschichte und Politik mit Schwerpunkt Wahlkämpfe, Eliten- und Skandalforschung, neue soziale Bewegungen, Feminismus und Rechtspopulismus.
Christian Ultsch ist Journalist, Autor und stellvertretender Chefredakteur der „Presse” und Leiter des Außenpolitik-Resorts. Er interviewte zahlreiche internationale Spitzenpolitiker – von Recep Tayyip Erdogan über Bashar al-Asssad und Benjamin Netanjahu bis zu Joschka Fischer, Kofi Annan und Dmytro Kuleba.
Lisz Hirn ist Philosophin, Publizistin und Dozentin sowie Podcasterin („Philosophieren mit Hirn“). Lehraufträge führten sie an internationale Universitäten, etwa in Kathmandu, Tokio, Lima und Marokko. Zuletzt erschien „Der überschätzte Mensch. Anthropologie der Verletzlichkeit“ (Zsolnay 2023)
Jonas Grethlein ist Autor und Professor für Griechische Literaturwissenschaft an der Universität Heidelberg. In „Mein Jahr mit Achill. Die Ilias, der Tod und das Leben” (2022) verwendet er eine eigene existentielle Erfahrung als hermeneutische Brücke zur Ilias, die er als ein Epos über die Fragilität des Menschen deutet.
Jérôme Junod studierte Philosophie, Geschichte und Indologie sowie Schauspielregie am Max Reinhardt Seminar. Er ist international als Regisseur, Dramaturg und Autor tätig. Seit 2025 ist er Spielleiter und wissenschaftlicher Koordinator der Wortwiege.