EUROPA IN SZENE

THEATERFESTIVAL DER WORTWIEGE
1. MÄRZ – 2. APRIL 2023
KASEMATTEN WIENER NEUSTADT

ES23-sujet-quer-nologos-v2-web

«Sire, geben Sie Gedankenfreiheit!»
Friedrich Schiller

Gedankenfreiheit

„Gedankenfreiheit“ ist der rote Faden, der sich diesen Frühling durch alle Formate des Festivals EUROPA IN SZENE vom 1. März bis 2. April in Wiener Neustadt zieht. Eröffnet wird mit einer Neuinterpretation von Schillers „Don Karlos“, gefolgt von Václav Havels „Audienz“. Die „Nach(t)gedanken“ sind quasi der zweite Akt jede „Audienz“-Vorstellung: Festivalleiterin Anna Maria Krassnigg unterhält sich mit den Autor:innen Peter Roessler, Theodora Bauer, Erwin Riess, Mario Wurmitzer, Daniela Strigl, Solmaz Khorsand, Gerhard Ruiss und Margret Kreidl über Gedankenfreiheit.
Die beliebte Theaterserie REDEN! wird dieses Frühjahr fortgesetzt: Insgesamt 10 Reden stehen auf dem Programm, u.a. von Jesus von Nazareth, Friedrich Schiller, Ayad Akhtar, Toni Morrison oder Ingeborg Bachmann mit den Gastanalytiker:innen Olga Flor, Elisabeth von Samsonow, Daniel Wisser und Helga Rabl-Stadler.
Auch der SALON EUROPA verschreibt sich ganz der Gedankenfreiheit und empfängt dort Jaroslav Rudiš, Jurko Prochasko, Winfried Kriegleder, Wolfgang Müller-Funk sowie Liliane Weissberg.

„Geben Sie Gedankenfreiheit“ – mit diesem legendären Satz Schillers fordert Marquis Posa seinen König Philipp in vielfacher Weise: menschlich, politisch, moralisch und geistig. Eine Aufforderung, die provokant und bedingungslos im Raum steht. Das tut sie noch immer. Gedankenfreiheit ist ein Stein mit vielen Facetten, dessen Schimmern wir in dieser Festivalausgabe ins Zentrum stellen. Dieses begehrte Gut aktiver zu begreifen, zu bewahren oder zu erobern, scheint eine der wichtigsten Unternehmungen unserer Zeit zu sein.

Zwei neue Inszenierungen: „Don Karlos“ und „Audienz“

Friedrich Schillers Don Karlos setzt sich mit den politischen Geschehnissen zur Zeit Philipps des Zweiten von Spanien auseinander und stellt die frappierend zeitlose Frage, ob es möglich ist, für die Freiheit der anderen zu kämpfen, wenn man selbst in Unfreiheit lebt. Václav Havel schrieb Audienz als Teil einer Trilogie um den Bühnenautor Vaněk in der Zeit nach der Niederschlagung des Prager Frühlings. Das vermeintlich Absurde liest sich wie ein Kommentar auf heutige aktuelle Geschehnisse. Regie führen Dávid Paška und Florian Thiel, ausgebildet in der Regieklasse des Max Reinhardt Seminars. Das Ensemble setzt sich erneut aus prominenten Akteur:innen der wortwiege und Absolvent:innen des Reinhardt Seminars zusammen, die wortwiege eröffnet somit weiterhin dem professionellen Nachwuchs in der darstellenden Kunst einen hochkarätigen Arbeitsraum.

Kollaborierende Reden und Dialoge

In der Theaterserie REDEN!, die im Herbst 2022 erstmals mit großem Erfolg in Wiener Neustadt gezeigt wurde, performen Schauspieler:innen bedeutende historische und zeitgenössische Reden. Theatermacherin Anna Maria Krassnigg und ihre Gesprächsgäste analysieren die rhetorischen Werke und ihre aktuelle Relevanz: Politisches Theater als Aufforderung zum Weiterdenken. In der dritten Staffel stehen Reden von Friedrich Schiller, Vácalv Havel, Olga Flor, Jesus von Nazareth, David Foster Wallace, Ayad Akhtar, Toni Morrison, Max Reinhardt, Ingeborg Bachmann, Wolfram Lotz auf dem Spielplan. Diese Reden analysiert Anna Maria Krassnigg mit der Schriftstellerin Olga Flor, der Philosophin und Bildende Künstlerin Elisabeth von Samsonow, dem Schriftsteller Daniel Wisser sowie mit der Kulturmanagerin Helga Rabl-Stadler. Die Reden werden performt von Horst Schily, Isabella Wolf, Martin Schwanda, Nina C. Gabriel und Murali Perumal.

In der Gesprächsreihe SALON EUROPA befragt Anna Maria Krassnigg in drei Sonntagsmatinéen Wolfgang Müller-Funk sowie hochkarätige Gäste aus Kultur und Wissenschaft zu den Stücken und ihren Bezügen zum Hier und Jetzt: den tschechischen Schriftsteller Jaroslav Rudiš, den ukrainischen Schriftsteller und Psychoanalytiker Jurko Prochasko, den österreichischen Literaturwissenschaftler Winfried Kriegleder und die amerikanische Literaturwissenschaftlerin Liliane Weissberg.

Ausblick: Sea Change Collection

Ab Herbst 2023 fließen internationale Beiträge aus Kunst und Wissenschaft in die Sea Change Collection des Festivals EUROPA IN SZENE ein. SEA CHANGE ist ein von wortwiege initiiertes internationales Framework rund um die Kunst der Verwandlung. Wesentliche Aspekte zeitgenössischer changes in den Bereichen „Female Empowerment“, „Mortality and Diginity“, „Home and Foreignness“, „Fluidity versus Binarity“, „Reconciling of Nature and Culture“ werden darin interdisziplinär bearbeitet. Mit Unterstützung des österreichischen Bundesministeriums für Europäische und internationale Angelegenheiten sowie Österreichischer Kulturforen und Botschaften wächst seit 2021 ein Netzwerk, das Kulturveranstalter:innen und Universitäten weltweit involviert.

Mit EUROPA IN SZENE bleiben die Kasematten ein Ort lebendiger darstellender Kunst, des Austauschs und der Verhandlung – eine zeitgenössische Agora.