Nach einer Textfassung von Franz Schuh, die den Krieg nicht nur aus der Perspektive von Karl Kraus vor Augen und Ohren führt, lesen Anna Luca Krassnigg und Franz Schuh aus den „Letzten Tagen der Menschheit.“ Dazu steht der Akkordeonist Stefan Sterzinger auf der Bühne des Lesetheaters.
Der Titel ist ein Zitat aus dem Drama „Die Letzten Tage der Menschheit“ von Karl Kraus. Das Stück ist so umfangreich, dass Kraus es einem „Marstheater“ zugedacht hat. Paradoxerweise könnte man behaupten, die „Letzten Tage“ sind als Lesetheater besser, sicher aber ebenso gut geeignet wie die Bühnenfassungen.
Es ist bei Kraus der Erste Weltkrieg, der eine damals noch unbekannte, kriegswichtige Verrohung mit sich gebracht, aber auch zur Voraussetzung hatte.
Franz Schuh interpretiert, analysiert und kommentiert das Werk und seinen Autor für unsere Tage: kenntnisreich, amüsant und schonungslos.
Mit: Franz Schuh und Anna Luca Krassnigg
Musikalische Begleitung: Stefan Sterzinger
Text: Karl Kraus, Franz Schuh
Konzept & Einrichtung: Franz Schuh
Franz Schuh
Der Wiener Schriftsteller, Kritiker und Universitätslehrer Franz Schuh ist u. a. für die Hamburger Wochenzeitung DIE ZEIT und den Österreichischen Rundfunk tätig. Lehraufträge führten ihn u.a. an die Universitäten Wien, Klagenfurt und Graz. Ehrendoktor der Universität Klagenfurt. Seit 1998 ist er Lehrender an der Universität für Angewandte Kunst in der Klasse für „Medienübergreifendes Gestalten“ (heute: „TransArts“). Schuh ist Träger zahlreicher Preise, darunter der Staatspreis für Kulturpublizistik (1985), der Jean-Améry-Preis für Essayistik (2000), der Essayistikpreis der Leipziger Buchmesse 2006 und der Heinrich Johann Merck-Preis 2021. Zuletzt erschien sein Buch „Steckt den Sand nicht in den Kopf“ (2025).
Stefan Sterzinger
Der Wiener Akkordeonspieler, Sänger, Texter und Komponist studierte Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Dann folgte Abenteuerliches mit Musik in der Schweiz, Südfrankreich, Spanien und Afrika. Seither setzt der Autodidakt Erlebtes, Erdachtes, Erforschtes in Wort, Klang und Entertainment um. Sterzinger gilt als „musikalischer Grenzgänger“ (M. Brandstetter, Wiener), „Geheimgenie“ (W. Kralicek, Falter), als eine „Ikone der österreichischen Musik“ und „Grandseigneur der Wiener Szene“ (A. Bovelino, Kurier).
Karl Kraus
Der österreichische Schriftsteller, Publizist, Satiriker, Lyriker, Aphoristiker und Dramatiker Karl Kraus (1874-1936) gründete 1899 seine Zeitschrift „Die Fackel“, die er bis zu seinem Tod leitete. Anfangs arbeiteten noch andere Schriftsteller mit, ab 1911 schrieb er sie größtenteils alleine. Kraus kritisierte die Presse sowie die Doppelmoral und Sprache seiner Zeit. Sein berühmtes Drama „Die letzten Tage der Menschheit“ entstand 1915-1922 und legt Zeugnis von seinem radikalen Pazifismus, seiner Kritik am Nationalismus und der antimilitaristischen Haltung ab, aus der heraus er Österreich und seine Kriegspolitik heftig kritisierte. Das Stück ist derart umfassend, dass es kaum zur Gänze auf die Bühne zu bringen ist, und bricht mit vielen Theaterkonventionen seiner Zeit. Es brachte ihm starke Kritik ein, u.a. wurde er dafür als „Nestbeschmutzer“ und „Vaterlandsverräter“ bezeichnet.
© Andrea Klem